Fragestellung: Viele große Unternehmen bieten den Kindern ihrer Betriebsangehörigen Betriebskindergärten, Hortplätze oder einen Ferienservice zur Nutzung an. Bitte sagen Sie, ob Sie den folgenden drei Aussagen jeweils stark zustimmen - eher zustimmen - sie eher ablehnen - oder sie völlig ablehnen.

Ergebnis & Kommentar: Aussage1: Ich würde für meine Kinder einen solchen firmeneigenen Betreuungs-Service in Anspruch nehmen.
Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer (57 %) würde ein solches Angebot auf jeden Fall wahrnehmen, ein weiteres knappes Drittel
(30 %) wäre prinzipiell nicht abgeneigt. Auch in diesem Punkt spiegeln sich die unterschiedlichen Erfahrungen der jüngeren Geschichte in Ost- und Westdeutschland wider.
So würden zwei Drittel der Werktätigen im Osten (66 %) in starkem Maße einer betriebsinternen Lösung zustimmen, während im Westen nur 55 % dem in gleicher Weise beipflichten. Unbedingte Befürwortung erhalten solche Regelungen auch von 63 % der Frauen, während die Reaktion der Männer zurückhaltender ausfällt. Immerhin stimmt ein Drittel (34 %) noch "eher" zu. Weitere demographische Unterschiede sind kaum signifikant. Vor allem fällt auf, dass die Bereitschaft zur Annahme derartiger Einrichtungen unabhängig vom beruflichen Status ist.

Aussage 2: Das Betreuungsangebot wäre für die Wahl des Arbeitgebers ausschlaggebend.
Für gut ein Viertel der Werktätigen ist die Kinderbetreuung ein zentrales Thema bei der Wahl des Arbeitgebers. Und immerhin ein weiteres Drittel stimmt dieser Aussage "eher" zu. Während in dieser Hinsicht in Ost und West einmütiger Gleichklang herrscht, treten zwischen den Geschlechtern deutliche Unterschiede zutage. Nur jeder fünfte Mann (21 %) lässt sich in der Wahl der Arbeitsstelle von Kinderbetreuungsangeboten wesentlich leiten, während diese Entscheidung für 36 % der Frauen von zentralem Rang ist. Allen emanzipatorischen Bemühungen zum Trotz wird das Problem der Kinderunterbringung während der Arbeitszeiten offenbar immer noch stärker auf die Frauen abgewälzt.

Für jüngere Arbeitnehmer stellt sich das Problem noch etwas geringer als bei den älteren Kollegen. So gibt ein Betreuungsangebot für nur 20 % der 18- bis 29jährigen den starken Ausschlag für einen Arbeitsplatz, während es bei den 30- bis 39jährigen schon 31 % sind. Der Kinderwunsch wird mittlerweile bei vielen Bundesbürgern erst im Alter um die 30 akut, andere wagen in diesem Lebensabschnitt einen Wiedereinstieg in das Berufsleben, so dass Kinderbetreuungsangebote der Unternehmen entscheidend sein können. Ein Blick auf die Haushaltseinkommen zeigt, dass erst bei einem monatlichen Nettoeinkommen ab 2560 EURO andere Aspekte bei der Wahl des Arbeitgebers offenbar stärkeren Vorrang haben. Interessant: Nur 17 % der Beamten stimmen dieser Aussage stark zu.

Aussage 3: Ich wäre bereit, für eine firmeninterne Kinderbetreuung mehr Kosten zu tragen als für die angebotenen öffentlichen bzw. kirchlichen Einrichtungen.
Die Zustimmung zu Betriebskindergärten kühlt doch deutlich ab, wenn die Arbeitnehmer für diese Angebote mehr zahlen müssen als für die öffentlichen und kirchlichen Einrichtungen. Nur 13 % würden auf jeden Fall höhere Kosten akzeptieren, weitere 33 % wären eingeschränkt einverstanden. 51 % der arbeitenden Bevölkerung sind nicht bereit, höhere Kosten zu tragen, da offensichtlich die Erwartung besteht, der Arbeitgeber habe im Sinne betrieblicher Zusatzleistungen die Kosten für derartige Aufwendungen zu übernehmen. In diesem Punkt liegen die unterschiedlichen demographischen Gruppen relativ dicht beieinander.

Fragestellung: In anderen Ländern Europas ist die Kinderbetreuung durch Tagesstätten und Tagesschulen abgesichert. Halten Sie eine solche Regelung für Deutschland für erstrebenswert?
Ergebnis & Kommentar
Die Betreuung insbesondere kleinerer Kinder stellt für die meisten Berufstätigen ein großes Problem dar. Im europäischen Vergleich erscheint die Bundesrepublik in dieser Hinsicht etwas rückständig zu sein. Seltsam eigentlich, denn die meisten sehnen dringend eine geeignete Lösung in diesem Punkt herbei, zumal die Entscheidung zwischen Kind oder Beruf schon längst keine zeitgemäße Alternative mehr darstellt. Gut die Hälfte aller deutschen Arbeitnehmer (53 %) hält daher eine Kinderbetreuung durch Tagesstätten und Tagesschulen für "sehr erstrebenswert", weitere 34 % sehen dies noch als "eher erstrebenswert" an.
Wenig verwunderlich ist, dass zwei Drittel (65 %) der Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern (zum Vergleich: West 50 %) eine Ganztagesbetreuung als "sehr erstrebenswert" ansehen, schließlich existierten solche Einrichtungen in der DDR bereits und ermöglichten somit den Werktätigen einen leichteren (Wieder-) Einstieg in das Berufsleben, so dass damit die Vorzüge solcher Einrichtungen besser bekannt sind. Ebenso stellt sich für Frauen das Problem etwas dringlicher als für Männer. So unterstützen 58 % der weiblichen Werktätigen die Rundumbetreuung als "sehr erstrebenswert". Dennoch sind es bei den Männern noch 49 %. Die Haushaltsgröße spielt in der Frage der Kinderbetreuung eine große Rolle, da mit zunehmender Personenzahl im Haushalt auch unter Umständen Alternativen vorhanden sind, das Problem familienintern zu lösen. Sehen in den Singlehaushalten 62 % eine Tagesstättenregelung als "sehr erstrebenswert" an, sind es in den Haushalten mit vier und mehr Personen nur noch 46 %.
Dass die Unterbringung der Kinder darüber hinaus ein wesentliches Problem einkommensschwächerer Haushalte ist, in denen die finanziellen Mittel im Hinblick auf Alternativen begrenzt sind, scheint durch die Daten belegt zu werden. So halten jeweils zwei Drittel der Empfänger von Nettohaushaltseinkommen unter 1000 Euro (66 %) und 1000 bis unter 1500 Euro (62 %) eine Absicherung durch Tagesstätten für "sehr erstrebenswert", in den darüberliegenden Einkommensgruppen sind es jeweils nur um die 50 % der Arbeitnehmer. Als weitere Erklärung bietet sich an, dass die Bezieher niedriger Einkommen stärker darauf angewiesen sind, dass beide Eltern arbeiten, so dass sich für diesen Personenkreis die Frage der Kinderbetreuung stärker stellt.
Nur in den Alterskategorien zeichnet sich klar ab, dass die Werktätigen mit zunehmendem Alter in stärkeren Maße bereit wären, in betriebsinterne Kindergärten zu investieren. Stimmen bei den 18- bis 29jährigen nur 7 % in starkem Maße zu, sind es bei den 40- bis 50jährigen immerhin 17 %. Arbeitnehmer mit Haushaltsstärken ab vier Personen reagieren vergleichsweise zurückhaltender als ihre Kollegen in 3-Personen- (49 %) oder 2- Personen-Haushalten (52 %).
EMNID 2001/2002